Winterdepression
Winterdepression wird eine saisonal bedingte, depressive Stimmung bezeichnet. Diese Art von Depression beginnt meist im November (oder auch später) und endet in der Regel im Frühjahr. Die Betroffenen sind in dieser Zeit fast ständig müde, haben das Bedürfnis nach mehr Schlaf, dementsprechend kommen sie morgens auch viel schwerer aus dem Bett. Der Heißhunger auf Süßigkeiten tritt fast täglich auf, auch essen die Betroffenen in dieser Zeit mehr, als während dem Rest des Jahres. Die Folge ist Gewichtszunahme, die in den meisten Fällen zu weiteren Missstimmungen führt. Menschen, die unter Winterdepression leiden, klagen häufig über Antriebslosigkeit und häufige, übermäßige Traurigkeit.
Die Ursachen für Winterdepressionen liegen vor allem an Mangel an Tageslicht. Die kürzeren Tage, die verminderte Lichtintensität, das fehlende Grün der Bäume, sowie die kalten Temperaturen tragen ihren Teil zur Winterdepression bei. Weiters wird angenommen, dass auch der Mangel am Neurotransmitter Serotonin ein Mitverursacher von Winterdepression ist. Zucker und bestimmte Inhaltsstoffe von Schokolade helfen dabei, vermehrt Serotonin dem Gehirn zur Verfügung zu stellen. Diese Tatsache erklärt zumindest teilweise den Heißhunger auf Süßigkeiten. An Serotonin mangelt es, die Melatoninausschüttung ist jedoch in vollem Gang. Melatonin ist ein Hormon und regelt den Wach-Schlaf-Rhythmus im Körper. Durch das fehlende Licht wird dem Körper vorgegaukelt: es ist dunkel, du musst schlafen. Die Folge: ständige Müdigkeit und das Bedürfnis nach mehr Schlaf. Dies hebt natürlich nicht wirklich die Laune, macht zudem auch müde.
Winterdepression ist eine echte Krankheit, also keine Einbildung. Leider ist diese Tatsache nur wenigen Menschen bekannt. Die Krankheit hat auch ganz typische Symptome, die sich von einer Depression, im herkömmlichen Sinne deutlich unterscheiden. Einen eindeutigen Unterschied stellt der Heißhunger dar. Dies kommt bei anderen Depressionsformen meist nie vor. Weitere typische Symptome sind Antriebslosigkeit, Unausgeglichenheit, schlechte Laune, gedrückte Stimmung, sowie die Vernachlässigung nicht nur der sozialen Kontakte, sondern auch der eigenen Person. Echte Winterdepression belastet das tägliche Leben, nicht nur innerhalb der Familie. Durch die gedrückte Stimmung und die ständige Müdigkeit, lässt auch die Arbeitsleistung deutlich nach, es kann sogar soweit kommen, dass die Erledigung der täglichen Arbeit einfach nicht mehr möglich ist.
Bei der Diagnosestellung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Der erste Ansprechpartner ist der Psychiater. Nachdem er sich mit dem Patienten / der Patientin ausführlich unterhalten hat, legt er weitere, körperliche Untersuchungen nahe. Diese Untersuchungen beinhalten vor allem neurologische Untersuchungen, wie Kernspintomographie des Kopfes, Ultraschalluntersuchungen, Untersuchungen der Schilddrüse, etc. damit eine andere Ursache für das Stimmungstief ausgeschlossen werden kann. Bestimmte Medikamente, sowie andere Mangelerscheinungen (Mangel an Vitamin B12), oder Erkrankungen der Schilddrüse, oder des Gehirns können ebenfalls Auslöser für depressive Stimmungen sein. Diese muss man erst ausschließen können, bevor man die Diagnose Winterdepression stellt.
Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Winterdepression. In schweren Fällen ist eine medikamentöse Behandlung anzustreben. In vielen anderen Fällen hilft eine Lichttherapie. Die Lichttherapie hilft dabei, den Tag künstlich um etwa 2 Stunden zu verlängern. Damit dieser Effekt erreicht wird, sitzt der Patient jeweils etwa 1 Stunde vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang vor einer so genannten Lichtwand. Bei der medikamentösen Behandlung werden meist Präparate eingesetzt, die auch bei anderen Depressionsformen Anwendung finden. Eine Therapie kann auch mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden. So zum Beispiel mit einer kognitiven Verhaltenstherapie, und/oder mit einer Psychotherapie.
Bei vielen Menschen hilft auch schon, wenn sie in etwa in der Mitte der „grauen Zeit“ für eine Woche, oder 10 Tage in sonnigere Gegenden fliegen. Südspanien, Mittelmeergebiet etc. eignen sich gut als „Therapiemaßnahme“ gegen Winterdepression.
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